Buntspecht (Dendrocopos Major)

Der Buntspecht (Dendrocopos major; auch Großer Buntspecht, Rotspecht, Schildspecht) ist eine Vogelart aus der Gattung der Buntspechte (Dendrocopos) und der Familie der Spechte (Picidae). Er ist die am häufigsten vorkommende Spechtart in Mitteleuropa. Seine Trommelwirbel sind auch in Städten zu hören, da der Buntspecht auch Stadtparks als Lebensraum nutzt.


Merkmale

Aussehen

Der Buntspecht ist etwa 23 cm lang. Seine Flügelspannweite beträgt zwischen 34 und 39 cm. Er ist zwischen 60 bis 90 g schwer. Sein Gefieder ist oberseits schwarz gefärbt mit zwei großen weißen Flügelflecken und unterseits gelblich-grau. Die Unterschwanzdecken sind lebhaft rot gefärbt. Nur das Männchen hat einen roten Genickfleck und Jungtiere einen roten Scheitel. Die Wangen sind weiß gefärbt. An den Halsseiten finden sich schwarze Bartstreifen.

Sie haben spitze, gebogene Krallen an ihren Kletterfüßen, womit sie sich an der Borke festhalten. Zwei Krallen zeigen dabei nach vorne und zwei nach hinten. Ungewöhnlich dick ist ihre Haut, die sie vor Insektenstichen schützt. Eine federnde, gelenkartige Verbindung zwischen der breiten Schnabelbasis und dem Schädel federt die Erschütterung ab, die beim Zimmern der Spechthöhle entsteht. Die dabei aufrechte und stabile Haltung am Baum wird durch starke Muskeln unterstützt, die die stützenden Schwanzfedern kontrollieren. Um das Einatmen des entstehenden Sägemehls zu verhindern, sind die Nasenlöcher des Buntspechts mit feinen Federn überwachsen.

Lautäußerungen

Um an seine Nahrung zu gelangen, welche (neben Samen und Haselnüssen) aus Larven und Insekten unter Baumrinden besteht, klopft sich der Buntspecht durch die Rinde. Typischerweise klopft er dabei in folgendem Rhythmus: --....-.----.. (hier in Morsekode dargestellt)

Dem Anlocken der Weibchen in der Balzzeit und der Revierabgrenzung dient das "Trommeln", eine sehr schnelle, bis 2 Sekunden dauernde Folge von 10-15 Schnabelschlägen. Das Trommeln ist bereits im ausgehenden Winter zu hören. Die Männchen beginnen mit dem Trommeln, sobald die von ihnen gezimmerte Höhle bezugsfertig ist, und nutzen dabei alle verfügbaren Resonanzkörper. Typisch sind hohle Baumstämme oder tote Äste. Buntspechte lassen ihre Wirbel jedoch auch an Regenrinnen erklingen. Während einzelne Trommelwirbel, die nur aus 10 bis 20 Einzelschlägen bestehen, das ganze Jahr über erklingen, sind die Trommelwirbel des Männchens während der Balzzeit ab Dezember länger und erklingen häufiger. Auch die Weibchen lassen Trommelwirbel erschallen, wenn sie sich im Revier eines Männchens befinden, und machen damit auf sich aufmerksam. Wie bei vielen anderen einzelgängerischen Tierarten dient die Balz dazu, die innerartliche Aggression zu überwinden. Sie enthält deshalb auch Drohgesten wie das Aufreißen des Schnabels oder das Aufstellen der Scheitelfedern.

Eine weitere Lautäußerung ist ein kurzes hartes "kick" oder "kix". Die ganzjährig territorialen Vögel lassen dieses bis zu 120 Mal in der Minute erschallen, um ihr Territorium gegenüber anderen Tieren abzugrenzen.


Verbreitung

Der Buntspecht kommt in Europa sowie in Nord- und Ostasien vor. An das europäische Areal anschließend gibt es auch Vorkommen in Nordwest-Afrika (Atlas-Länder) und in Südwest-Asien (Anatolien, Kaukasus-Länder, Nord-Iran). In Mitteleuropa ist er Standvogel, im Norden gelegentlich auch Strichvogel.


Lebensraum

Der Buntspecht ist die am wenigsten spezialisierte heimische Spechtart und deshalb auch die am häufigsten vorkommende. Man kann ihn sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern finden, aber auch in Parks und in der Kulturlandschaft, sofern dort Alleen, Windschutzstreifen oder kleine Baumgruppen vorhanden sind. So gehört er beispielsweise zu den Vögeln, die in Grünbereichen Berlins zu finden sind. Eichenmischwälder mit viel Alt- und Totholz sind für ihn optimale Lebensräume. Einförmige Fichtenreinbestände oder reine Buchenwälder weisen nur geringe Spechtvorkommen auf. Im Winter bleiben Buntspechte in ihrem Lebensraum.


Ernährung

Der Buntspecht ernährt sich während der überwiegenden Zeit des Jahres hauptsächlich von Insekten und ihren Larven, die er mit kräftigen Schnabelhieben unter der Borke hervorholt. Während der Winterzeit ist er in der Lage, seine Ernährung umzustellen. In dieser Zeit, in der Insekten knapp sind, frisst er Nüsse, Beeren und Samen . Viele der fettreichen Samen, die ihm im Winter zur Ernährung dienen, müssen erst geknackt werden. Während Rabenvögel, wie etwa der Eichelhäher, Haselnüsse mit dem Fuß festhalten, klemmt der Buntspecht Nüsse oder Kiefernzapfen in Baumspalten ein. Zur Gewinnung der letzteren hackt er oft in einen Ast ein Loch, um den Zapfen darin festzuklemmen. Dies sind die sogenannten Spechtschmieden, die der Buntspecht auch nutzt, um hartschalige Käfer zu knacken.

Buntspechte treten manchmal auch als Nesträuber auf; dabei öffnen sie gelegentlich Nistkästen, und fressen Eier und Jungvögel.


Fortpflanzung

Der Buntspecht ist wie alle Spechte ein Höhlenbrüter. Die Bruthöhlen zimmert er selbst und bevorzugt dazu weiche Holzarten und morsche alte Bäume. Er beginnt viele Höhlungen auszuarbeiten, bevor er eine einzige vollendet.

Er legt 4 bis 7 weiße Eier, die etwa 11-13 Tage lang bebrütet werden. Die Jungvögel werden etwa 3 bis 4 Wochen lang gefüttert, bis sie ausfliegen. In der zweiten Hälfte der Fütterungsphase sind Nester wegen des ununterbrochenen lauten Gezeters der Jungvögel leicht zu entdecken.


Verhalten

Buntspechte verursachen an wärmegedämmten Hausfassaden oft große Schäden (Löcher). Besonders Gebäude in Stadtparknähe sind betroffen, da sich junge Spechte aufgrund des Revierverhaltens neue Räume erschließen müssen. Abhilfe schafft eine Sperberattrappe aus Sperrholz, die an einem Galgen befestigt wird, der über die Dachkante ragt, da Sperber die natürlichen Feinde der Spechte sind.


Wissenswertes

Der Buntspecht war Vogel des Jahres 1997.


Literatur

  • Cord Riechelmann: Wilde Tiere in der Großstadt. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Berlin, 2004, ISBN 3-89479-133-0